Eleonoren-Gymnasium
Worms

Die Wochenenden

 

Samstag, 28.03.2009:

Nach meinem ersten Flug, der dazu auch noch 10 Stunden dauerte, tat mir mein Rücken bzw. meine Schulter ein wenig weh. Außerdem war ich etwas müde. Die Austauschschülerin, zu der ich kam, hieß Wang Man Xue und ihre Familie hatte komischerweise zwei Wohnungen. Eine sehr kleine, in der kaum etwas eingerichtet war und noch eine Andere, die größer, moderner und wohnhafter eingerichtet war. Doch wir fuhren zuerst zu der kleinen Wohnung, da diese näher am Internationalen Wohnheim, um eine kurze Pause einzulegen, etwas zu trinken und um sich in Ruhe kennenzulernen. Als es dunkler wurde, fuhren wir in ein sehr nobles Restaurant, in dem gerade zu dieser Zeit eine chinesische Hochzeit stattfand. Das Essen nahmen wir in einem Nebenraum ein, da der große Saal für die Hochzeitsgesellschaft reserviert war. Das Essen war sehr gut und ich aß sogar Pekingente, was ich jedoch erst in Peking realisierte! Nach dem Essen erfuhr ich schmerzlicherweise die Tücken eines chinesischen Parkhauses: Am Boden sind Eisenstangen befestigt, damit man mit dem Auto nicht zu weit nach hinten fährt und die anderen Autos beschädigt. Wir fuhren an diesem Abend in eine riesige Shopping-Mall und schauten uns auch noch etwas die Stadt bei Nacht an. Da ich jedoch langsam ziemlich fertig war, fuhren wir daraufhin zur 2.Wohnung der Familie. Diese war sehr schön und ich konnte endlich meine Sachen ablegen und mich vor dem Fernsehen, auf dem gerade ein englisches Champions-League-Spiel mit chinesischem Kommentator lief, etwas entspannen. Nach einiger Zeit ging ich dann ins Bett.

 

Sonntag, 29.03.2009:

Um halb 9 stand ich auf und wir frühstückten nach traditionell chinesischer Art. Nach dem Frühstück musste Man Xue noch Hausaufgaben machen, deshalb hatte ich Zeit, an den Computer zu gehen und Nachrichten via „Wer-kennt-wen“ nach Hause zu meinen Freunden zu schicken und ihnen über meine ersten Eindrücke zu erzählen. Am Vormittag hatte sich Man Xue mit zwei Freundinnen und einem guten Freund aus der Schule verabredet. So fuhren uns die Eltern von Man Xue an eine U-Bahn Station von wo aus wir mit der U-Bahn ein paar Stationen weiter fuhren und uns dort mit den Anderen trafen. Als erstes gingen wir in ein Karaokestudio namens „Haoledi“. Nachdem wir dort einige Zeit waren, gingen wir in ein billiges Restaurant gleich in der Nähe. Für mich war dies das schrecklichste Erlebnis in ganz China: Es hat überall schrecklich gestunken, der Boden war sehr dreckig, das Essen war grässlich und wahrscheinlich auch mit sehr vielen Bakterien etc. und Die Toilette war die Krönung von Allem. Als wir wieder draußen waren und ich frische Luft einatmen konnte, ging es mir gleich viel besser. Wir trennten uns von den Bekannten und gingen wieder nach Hause, da Man Xue noch Hausaufgaben machen musste, was sie dann auch etwa für 2 Stunden machte. Ich las dabei ein Buch, das ich mir aus Deutschland mitgebracht hatte. Als Man Xue fertig mit Hausaufgaben war, so dacht ich jedenfalls, machte ich mit ihren Eltern Dumpling. Erst nach einiger Zeit merkte ich, dass Man Xue gar nicht zu sehen und zu hören war. So fragte ich die Eltern, die mir antworteten, dass sie etwa 1 ½ Stunden nur Mathe gemacht hatte und jetzt noch andere Hausaufgaben machen musste. Als wir dann fertig waren mit Dumpling machen, bereitete die Mutter sie zu sodass wir sie einige Zeit später verspeisen konnten. Mir schmeckten sie ganz gut, doch als mir die Mutter dann weiße Kugeln in heißem Wasser aufgelöst brachte, die sie mit „Rice Dumpling“ benannte, war ich schon nicht sehr entzückt. Dieses Geschmackserlebnis war nicht sehr berauschend und ich musste es nur noch einmal am kommenden Wochenende mit einem Lächeln auf den Lippen verspeisen.

Nach dem Essen packte ich meine Sachen und auf ging es zurück zum Internationalen Wohnheim der Jin Cai Senior High School in unsere Zimmer.

 

Samstag, 04.04.2009:

Eigentlich war es vorgesehen, dass man am zweiten Wochenende schon Freitag abends in die Familien kommt, doch gab es zwei Ausnahmefälle, bei denen die zugehörigen Austauschschüler erst am Vorabend von einem Praktikum zurückkamen und uns Deutsche erst am nächsten Morgen empfangen wollten, damit sie wohl in besser Auffassung waren. Ich war auch davon betroffen und hatte somit noch eine ruhige Nacht im Internationalen Wohnheim und wurde erst am nächsten Morgen abgeholt. Ich wurde von meinem Austauschschüler Liu Yao, seinem Cousin und seinem Vater abgeholt. Zuerst fuhren wir auf einen Markt, um etwas zu essen zu kaufen. Danach fuhren wir nach Hause zu ihnen, wo ich freudig von Yaos Mutter begrüßt wurde, die sich auch sofort daran machte, das Essen zuzubereiten. Währenddessen sang ich mit Yao und seinem Cousin Karaoke vor ihrem Fernseher mit einem angeschlossenen Mikrophon. Nach dem leckeren Frühstück gingen wir in ein kleines Häuschen, das sich im gleichen Wohnblock befand. Bei diesem Häuschen handelte es sich um ein „Sporthäuschen“, d.h. in ihm waren einige Zimmer, in denen sich Tischtennisplatten und/oder Billardtische befanden. In einem Raum in dem sich beides davon befand spielten wir abwechselnd Tischtennis oder Billard. Nach der sportlichen Aktivität gingen wir wieder in ihre Wohnung und ich schaute etwas chinesischen Fußball (was mich als Fußballer sehr entsetzte) und ein Billardspiel. Nach einiger Zeit gab es auch wieder Essen, was aber wieder sehr lecker war außer das es wieder „Rice Dumpling“ gab. Nach dem Essen saßen noch alle am Essenstisch, was ich nutzte, um meine Gastgeschenke zu verteilen. Auch eigenen deutschen Wein hatte ich dabei, was die Eltern sehr zu schätzen wussten. Danach konnte ich mal wieder ins Internet, um mal wieder Nachrichten Richtung Deutschland verschicken konnte. Schon nach nicht so langer Zeit wurde ich schon wieder zum Essen gerufen. Ich hatte zwar nicht all zu großen Hunger, doch konnte ich die leckeren Schrimps nicht verschmähen... am Abend spielte ich mit Yao und seiner Mutter chinesische Brettspiele und das in Deutschland sehr bekannte Kartenspiel „Mau Mau“. Nach etwa 2 Stunden ging ich jedoch ins Bett.

Was sehr angenehm war das beheizte Bett, da es im sonstigen Haus unbeheizt war und man auch keine Heizung vorfinden konnte.

 

Montag, 06.04.2009:

An diesem Tag war Feiertag, wodurch die Schüler auch keinen Unterricht hatten. Ich konnte diesen Tag auch richtig genießen indem ich ziemlich lang schlief, was mir die Eltern aber auch geraten hatten. Bis ich aufgestanden war, war der Cousin schon weg, da er nur zu Besuch war und schon früh am Morgen mit dem Flieger wieder nach Hause geflogen war. Die erste Tätigkeit war Frühstücken. Danach schenkte mir die Mutter eine Tüte mit schwarzem und weißem Tee und einigen Keksen, bei denen sie vermutete, ich würde sie sehr mögen. Den restlichen Morgen schrieb ich Postkarten an alle möglichen Leute und als ich fertig war, fuhren Yao, sein Vater und ich zu einer Poststelle, ließen die Karten abstempeln und warfen sie danach ein. Nach nur 4 Tagen waren sie schon in Deutschland angekommen, wie ich von meinen Eltern erfuhr. Nachdem wir wieder zu Hause waren, aßen wir zuerst und brachten danach die Mutter von Yao zu einer Bushaltestelle mitten in der Stadt, da die Mutter am nächsten Tag wieder arbeiten musste, ihr Arbeitsplatz aber 5 Stunden Busfahrt entfernt war, fuhr sie schon am Mittag, um abends noch etwas Zeit zu haben. So verabschiedete ich mich von ihr und schon ging es wieder nach Hause. Dort angekommen aßen wir kleine chinesische Snacks und tranken chinesischen Tee, während ich Yao dabei zusah, wie er ein ziemlich altes Kung-Fu-Spiel an dem Laptop seines Vaters spielte. Er war davon zwar ganz begeistert, mich langweilte es jedoch ein wenig. So schaute ich noch etwas chinesisches Fernsehen bis wir mal wieder aßen. Danach verließ ich schon wieder Yaos Familie und wurde zum Internationalen Wohnheim gebracht, wo ich mich von Yao und Vater verabschiedete.

 

Sonntag, 12.04.09

Um 8:30 Uhr wurde die Gruppe vom Hotelpersonal per Weckruf geweckt. Bis 9:30 Uhr konnte man im Speiseraum etwas frühstücken. Danach konnte man nichts mehr erhalten. Treffpunkt am Bus mit Koffer und allem, was man dabei hatte, war um etwa 10 Uhr. Bis dahin konnte man noch mal duschen, wenn man wollte, oder einfach noch die letzten Sachen zusammen packen und sich Startbereit machen. Nachdem alle Koffer im Bus verstaut waren, stiegen wir ein und fuhren zu einem Sommerpalast einer Kaiserin, die die Macht an sich gerissen hatte und den Kaiser abgesetzt bzw. gefangen hatte. Doch da sie nicht in den Sommerpalast des Kaisers durfte, da dieser nur für männliche Kaiser zugänglich war. So baute sie einen normalen königlichen Garten zu ihrem Sommerpalast aus. Dieser hat eine Fläche von 290 Hektar und ist somit 12 Hektar größer als der Sommerpalast des Königs. In ihrem Sommertempel war außerdem in riesigen See und er grenzte an ein Gebirge. Da sie in diesem Palast auch den König gefangen hielt, der jedoch nicht das Wasser aus dem See trinken wollte, musste jeden morgen frisches Quellwasser aus dem Gebirge gebracht worden. Dies musste die Dienerschaft jedoch nur 10 Jahre durchmachen, da dann der König starb. Der ganze Palast wurde 1885 erbaut. Dabei baute man außerdem einen Buddha Tempel, um das Böse fern zu halten. Nachdem wir etwas am See entlang gewandert waren, gingen wir in einem Restaurant essen.

Als alle fertig waren, gingen wir zurück zu unserem Bus und fuhren zum „Lama-Tempel“. Da das Wetter an diesem Tag unerträglich heiß war und es am Vortag einen kleinen Zwischenfall mit unserem Bus gegeben hatte, spendierte uns der Busfahrer je eine Flasche Wasser.

Der Lama Tempel wurde im Jahr 1448 als Wohnort gebaut, wurde jedoch im Jahr 1747 zum Tempel umfunktioniert. Im Lama-Tempel steht der größte Holzbuddha der Welt. Er ist aus einem 28 Meter hohen Sandelholz gefertigt. Davon sind 8 Meter allein im Boden als Stütze und 16 Meter über der Erde. Dieser Holzbuddha ist auch im Guinness Buch der Rekorde. Außerdem ist im Lama Tempel eine Halle, in der die Religion der Lama verehrt wird. In diesem Raum gibt es zwei Sessel: einen für Dalai Lama und einen für Pantschen Lama. Da Pantschen Lama nach dem Willen der Regierung handelt, darf er offiziell gezeigt und bewundert werden. Dalai dagegen handelt nach seinem eigenen Willen und somit gegen die Regierung. Auf seinem Sessel wird kein Bild oder ähnliches gezeigt. Von Pantschen Lama sind dafür sogar 2 Bilder zu sehen. Eins des jetzigen Pantschen Lama und eins von einem seiner Vorgänger.

Noch zu sehen waren drei Buddhas, die für Weisheit, langes Leben und Gesundheit stehen. Betet man zu ihnen sind einem diese Ziele sicher, so der Glaube.

Nach dem Besuch dieses Tempels fuhren wir mit dem Bus zu einer neu gebauten Einkaufsstraße, in der sich jedoch erst 5-10 Läden befinden. Es ist alles in einer grauen tristen Art gebaut. Es hängen zwar Bilder von dem alten Haus an jedem Laden, doch wurden sie moderner und einfacher nachgebaut. Diese Einkaufsstraße ist außerdem nicht viel benutzt und strahlt so einen monotonen Eindruck aus. In dieser Straße konnten wir etwa eine Stunde in kleinen Gruppen herumlaufen und uns alles ansehen. Um 6 Uhr war wieder Treffen und wir fuhren weiter zu einem Restaurant, in dem wir Pekingente aßen. Einige waren überrascht, dass Pekingente sehr fettig ist und fanden dies nicht sehr lecker. Da wir noch viel Zeit hatten bis wir am Flughafen sein sollten, fuhren wir mit dem Bus etwas durch die Stadt und hielten nach einiger Überlegung an einer sehr großen und belebten Einkaufsstraße. Dort hatten wir viel Zeit, in kleinen Gruppen sehr viele Läden gründlich anzuschauen und auch etwas darin zu kaufen. Um viertel vor 10 trafen wir uns wieder und fuhren durch ein stark belebtes Peking zum Flughafen. Da wir ziemlich früh da waren konnten wir recht einfach als „Gruppe“ einchecken sodass wir einigermaßen zusammen saßen. Wir verabschiedeten uns noch von unserem Pekinger Reiseleiter bevor es warten hieß. Nach langer Wartezeit stiegen wir ins Flugzeug und hatten wieder ca. 10 ½ stunden Flug vor uns. Der Vorteil am Rückflug waren die Bildschirme an den Rückseiten jedes Sitzes sodass jeder sein eigenes Programm wählen konnte. Nachteil waren die recht unbequemen Sitze, in denen man auch nicht wirklich schlief wenn man es versuchte.

In Frankfurt angekommen, mussten wir noch recht lange auf unsere Koffer warten, doch dann fielen wir in die Arme unserer Eltern, die uns zurück in Deutschland willkommen hießen.

 

von Jens Orb

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