Nach unserer Ankunft im internationalen Wohnheim der Jin Cai High School nahmen wir unsere Rucksäcke fürs Wochenende und gingen nach unten, um unsere Austauschpartner zu treffen. Die Koffer konnten wir auf unseren Zimmern lassen.
Auch wenn ich Judy vorher nicht kannte, (ich habe zwei Austauschpartner, da Susan am ersten Wochenende bei einem Praktikum auf dem Land ist) verstanden wir uns gleich ziemlich gut. Sie führte mich zum Auto ihrer Eltern, die mich auch sofort herzlich begrüßten.
Zugegebenermaßen habe ich ihren Vater nicht sehr oft zu Gesicht bekommen, fast nur beim Essen. Entweder war er arbeiten, oder in sein heißgeliebtes Mahjong vertieft. Conny, die Mutter, spricht sehr gutes Englisch, und ich habe mich viel mit ihr unterhalten können, fast besser als mit Judy.
Judy wohnt mit ihren Eltern, Großeltern und sämtlichen Haustieren in einem riesigen Haus, das sich in der Nähe einiger Pfirsichfelder befindet.
Gegen Nachmittag gab es Essen, und ich kam zum ersten Mal in den Genuss von Dumplings, einer chinesischen Spezialität. Eigentlich sind sie ja ganz lecker, aber ihre etwas glibberige Konsistenz hinderte mich daran, mehr als vier davon essen zu können.
Die Großmutter habe ich auch sehr ins Herz geschlossen, denn sie versuchte immer mit mir auf Chinesisch zu reden, aber anscheinend wollte sie irgendwie nicht wahrhaben, dass ich sie nicht verstehe.
Am Abend sind Judy, ihre Cousine, die zu Besuch war, Conny und ich zu einer Art Sporthalle gefahren und haben Badminton gespielt.
Nach dem Frühstück machten wir (Judy, ihre Cousine, Conny und ich) uns auf den Weg zu Judys anderen Großeltern, die Pfirsischbauern sind und in einer etwas ländlicheren Gegend wohnen. Die Leute sind unglaublich nett, verstehen mich aber nicht.
Nach einem Spaziergang durch die Weiten der rosa blühenden Pfirsichfelder kamen wir zu einem kleinen Bauernmarkt, wo eine kleine Bühne aufgebaut war, auf der einige Leute ihre akrobatischen Talente vorführten.
Was mich ein bisschen störte, war, dass die Chinesen ihre Häuser trotz Kälte nicht heizen. Es ist vollkommen normal, in Jacke im Haus zu sitzen.
Nachdem wir mein Gepäck weil ins Schulwohnheim gebracht hatten, trafen wir dort Nicole und ihre Austauschpartnerin und fuhren mit dem Taxi (ja, Taxi fahren in China ist schon ein Erlebnis für sich) zum Century Park. Dort kann man sich so lustige Tretautos leihen, was wir auch unbedingt ausprobieren wollten.
Nach einiger Zeit Aufenthalt in dem doch sehr großen Park nahmen wir uns wieder ein Taxi und fuhren diesmal zum People´s Square, der früher einmal eine Pferderennbahn war. Dort gibt es auch eine Untergrundstation, allerdings fühlte ich mich dort nicht lange wohl, es sind einfach zu viele nervende Verkäufer die einem unnützes Zeug andrehen wollen. Also haben wir uns auf den People´s Square in die Sonne gesetzt und Pause gemacht. Man muss aufpassen, dass man nicht von den zahlreichen Inline-Skatern überfahren wird oder in irgendwelche Drachenschnüre läuft.
Gegen Abend wurde ich von Conny ins internationale Schulwohnheim gebracht, wo ich auf Caro wartete, die den Zimmerschlüssel hatte.
Ich habe an diesem Morgen das beste Frühstück bekommen, das ich während unseres gesamten Aufenthalts in China gegessen hatte. Es gab eine Suppe mit Ei, dazu Brot aus Blumen, einmal Gebacken und einmal frittiert. Frau Li, meine zweite Gastmutter hat sowieso ein tolles Kochtalent.
Am zweiten Wochenende war ich nun bei Susan, meiner eigentlichen Austauschpartnerin, die zuvor Praktikum hatte. Wir verstanden uns auf Anhieb und hatten viel zu erzählen, als sie und ihre Eltern mich am Tag zuvor im Schulwohnheim abholten. Zu Susans Familie habe ich auch mehr Bezug als zu der von Judy, ich fühlte mich auch wohler als am Wochenende davor.
Susan wohnt in einer großen Wohnung im 6. Stock in Jiading, einem Vorort von Shanghai.
Nach dem tollen Frühstück also, sind wir in einen sehr schönen Garten in Jiading gefahren, leider war das Wetter etwas schlecht. Dort war ich auch zum ersten Mal in einem typisch chinesischen Restaurant. Ich gebe zu, manchmal ist es wirklich sehr sehr schwer, Dinge mit den Chopsticks zu essen, ohne aufzufallen. Vor allem bei Klößen, die nun doch etwas glibberiger sind und immer wieder in die Schale zurückfallen.
Gegen Nachmittag waren wir in einem Konfuziustempel, der wirklich sehr interessant war, auch wenn ich nur wenig davon verstanden habe.
Lustig wurde es abends, als wir wieder zu Hause waren und gemeinsam das Abendessen vorbereiteten: Es gab (mal wieder) Dumplings, allerdings selbstgemachte. Mein erster Versuch ging etwas daneben, der Teig wollte nicht zusammenhalten, doch die weiteren, die ich machte, glichen immer mehr denen von Susan und ihrer Mutter.
Sie kocht einfach fantastisch, nur schade, dass ich nicht so viele von den Dumplings essen konnte.
Heute trafen wir Caro und Sandy, ihre Austauschpartnerin und gingen shoppen, um unsere letzten Mitbringsel zu kaufen. Da wir im Untergrund nur wenig fanden, sind Susans Eltern mit uns anschließend noch einmal zum Yu-Garden gefahren. Es ist immer Praktisch, Chinesen dabei zu haben, wenn man handeln will: 3 Sätze von Susans Mutter und du hast den tiefsten Preis, den man haben kann.
Das Autofahren mit Herrn Li ist sehr unterhaltsam, da er immer zur Backstreetboys-CD mit summt.
Zum Abschluss wurden Caro und ich von Susans Familie in den Pizza Hut eingeladen, bevor es dann wieder ins Schulwohnheim ging.
Der Abschied von Susans Eltern fiel mir sehr schwer, ich habe sie wirklich in mein Herz geschlossen. Aber ich bin froh, dass sie mich zu sich nach Shanghai eingeladen haben.