Eleonoren-Gymnasium
Worms

20.04.2009

Reisetagebuch

von Björn Zeus

 

2. Wochenende

Mein 3. Chinabesuch

Zu Gast bei Freunden

 

Es ist mal wieder Freitagabend, mein kleiner “Bruder” und ich sitzen am Essenstisch und spielen chinesisches Schach. Diese Variante des Schachs unterscheidet sich deutlich vom Internationalen. Hierbei werden die gegnerischen Gebiete durch einen Fluss getrennt und der König und seine beiden Wächter dürfen sich nur in einem kleinen Gebiet bewegen. Außerdem unterscheiden sich die Figuren zum Teil deutlich von denen der internationalen Variante. Drei Matches liegen hinter uns. Zwei davon hat er gewonnen, eins kann ich auf mein Konto verbuchen, da er einen unerlaubten Spielzug gemacht hat, der zur sofortigen Beendigung des Spiels führt.

 

Am nächsten Tag fahren Hans, Hao und ich in einen Freizeitpark. Dort findet man alles, was man auch in einem deutschen finden kann. Schiffschaukel, Achterbahn und Wasserrutschen gehören natürlich ins Sortiment des Parks. Jedoch unterscheidet sich die dortige Preispolitik von der unseren. Der Eintrittspreis ist relativ günstig, jedoch muss man für jede Attraktion extra bezahlen. Zum einen ist es gut, da dieser Freizeitpark auch als normaler Park, wie man ihn in Städten findet, genutzt wird, zum anderen ist es schlecht, da man für jede weitere fahrt beispielsweise mit der Achterbahn extra bezahlen muss. Durch Zufall treffen wir auf eine deutsche Mitreisende, die auch den Freizeitpark mit ihrer Austauschschülerin besuchen möchte. Zum Mittag essen gibt es chinesisches BBQ. Hierfür müssen wir zu einem separaten Grillplatz gehen, uns eine Feuerstelle für maximal 2 Stunden mieten und natürlich noch Kohle und Fleisch zum Grillen kaufen. Der Tag im Park war mal wieder gelungen.

 

Am Abend sind Hao und ich von Bao Chichen, meinem ehemaligen Austauschschüler, der mich aufgrund seiner bevorstehenden Abschlussarbeiten nicht bei sich aufnehmen konnte, zum Essen eingeladen worden. Wir gehen japanisch essen, sprechen viel über die schöne Zeit, die ich in den drei Jahren bis jetzt in China hatte, über unsere Zukunft und natürlich über das globale Thema Nummer 1, die Wirtschaftskrise. Baos Eltern sind zurzeit schon indirekt von der Krise betroffen, da beide für einen Schiffsbauer, der sehr stark von der Auftragslage der Unternehmen abhängig ist, arbeiten. Seine Mutter erzählt mir, dass ihr Mann, der in Hongkong arbeitet, seit fast 3 Monaten keinen einzigen Auftrag mehr gehabt hätte. Hoffen wir mal, dass die Wirtschaftskrise so schnell geht, wie sie gekommen ist und sie uns nicht weiter belastet.

 

Nach dem Essen geht es mit anderen Chinesen und Deutschen zum K-TV. Natürlich lade ich meine beiden Austauschschüler zur dieser Variante des Karaoke ein.

 

Es ist Sonntag, alle Schülerinnen und Schüler müssen einen Tagesausflug nach Hangzhou mitmachen. Früh am Morgen geht der Ausflug schon los, alle sind gut gelaunt, nur Viktoria und ich sind noch besser gelaunt, da wir im letzten Jahr schon einmal da waren, müssen wir dieses Jahr nicht mitfahren. Den Tag nutzen Hao und ich als freien Tag und gehen mittags Freund besuchen.

 

Dafür fahren wir wieder in den Stadtteil im Norden, in dem wir schon letztes Wochenende waren.

 

Dort treffen wir auf Viktoria und ihre Austauschülerin, ich kenne sie noch vom Sommer 2008, als der Chor der Jincai Zhongxue zu Gast in Deutschland war.

 

Dort besuchen wir den einzigen konfuzianischen Tempel in ganz Shanghai. Der nächste dieser Art wäre in Nanjing, der alten Hauptstadt der Nationalisten, die 1949 vor den kommunistischen Truppen Mao Zedongs nach Taiwan flohen. Obwohl der Tempel eigentlich schon seit Minuten geschlossen ist, kommen wir doch noch rein.

 

Auf den Tempel des großen Lehrmeisters folgt Hotpot. Hotpot ist an sich vergleichbar mit Fondue, jedoch anstatt die einzelnen Fleisch-, Gemüse- und Pilzsorten in siedendes Öl zu geben, werden sie in kochendes Wasser gegeben. Es gibt jedoch zwei verschiedene Töpfe, im einen werden vorher Chilischoten und andere scharfe Gewürze dazugegeben, der zweite Topf ist um einiges milder.

 

Der letzte Tag ist gekommen, bis 10 Uhr durfte ich ausschlafen. Wir gehen auf ein kleines Volksfest, besuchen einen „normalen“ Park, der sich total von den anderen unterscheidet und haben Spaß.

Der letzte Tag war noch einmal ein ganz besonderer. Am Abend verabschiede ich mich von meiner “neuen Familie” und wir fahren zurück zur Schule. Der Abschied fällt mir sehr schwer, jedoch werden wir uns mindestens noch einmal in der Schule sehen.

 

Für den Einblick in eine ganz andere chinesische Familie bin ich sehr dankbar. An diesen beiden Wochenenden habe ich Shanghai und seine Bewohner nochmals von einer ganz anderen, mir bis dahin noch unbekannten Seite kennen gelernt. Herzlichen Dank an Jia Hao und seiner Tante für ihre herzliche Gastfreundschaft und die schönen Tage am Wochenende, die wir gemeinsam verbrachten.

 

Ebenso danke ich meinen ehemaligen Austauschschülern, die mir auf vielfache Weise, durch Einladungen und Freundschaftsbeweise das Gefühl tiefer Verbundenheit über Kontinente hinweg vermittelten.

 

Zum Schluss noch ein Zitat von Jia Hao:

„We had joy, we had fun, we had seasons in Shanghai”

 

Hoffe auf ein baldiges Wiedersehen.

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