Ankunft am Waterloo Station (enttäuscht, dass es nicht Harry Potters King`s Cross war). Das Wetter ließ zu wünschen übrig, aber unsere Laune war bereits jetzt auf dem Höhepunkt. Das Großstadtfeeling umgab uns und veranlasste uns, so wie es Großstädter nun einmal tun, einen Kaffee und einen Riesenmuffin zu kaufen. Kein gewöhnlicher Muffin! Nein, ein echter englischer Blaubeermuffin mit gigantischen Fruchtstücken. Großstädtisch gesättigt, planlos und bewaffnet mit einer „London Underground Tube Map“ machten wir uns auf die Suche nach einer U-Bahnstation, ohne davor zurückzuschrecken ahnungslose Passanten auf der Straße zu überfallen um den Weg zu erfahren. Tja, aber London ist ziemlich groß für zwei Landeier, die statt endlosen, meschengefüllten Straßen nur Wingerte, Feldwege und die kleine „Gangsterstadt“ Worms gewohnt sind. Aber wie schön, dass im Gegensatz zum öden Deutschland, die multikulturellen, internationalen Engländer so aufgeschlossen, kontaktfreudig und hilfsbereit sind. Als wir uns orientierungslos, verzweifelt und etwas verloren auf unsere Mini-Tube-Karte konzentrierten, boten sich gleich mehrere Menschen an uns weiterzuhelfen. Ganz London an einem Tag intensiv zu erkunden ist schier unmöglich, aber wir versuchten wenigstens die schönsten Seiten Londons zu bewundern.
Der Piccadilly Circus ist vergleichbar mit einem Treffpunkt aller Extremisten und Verrückten. Dort verkünden „Propheten“ die Ankunft Christi, man begegnet Menschen, die als Big Whopper verkleidet Werbung machen und tanzenden Hobbits, die entweder einfach nur Geld verdienen wollten oder sich über ihren gefunden „Schatz“ freuten.
Unser nächstes großes Ziel war „Oxford Circus“, womit wir gleich in der riesigen Einkaufsstraße „Oxford Street“ landeten. Ein Geschäft nach dem anderen machten wir unsicher, jedoch stets mit dem Ziel vor Augen im großen Spielwarengeschäft „Hamleys“ (auch genannt: Paradies der Kuscheltiere) unsere Kinderträume wahr werden zu lassen: Riesen-King-Kong, Verkleidungsmöglichkeiten für „Harry Potter“ und „Herr der Ringe“ –Fans, gigantische Teddybären, Giraffen in Realitätsgröße, Zauberer, die „Sweet-Machine“ mit allem Süßen, was unser Herz begehrt, die fabelhafte Welt der Herbies und Teletubbies, ein fliegender Batman und jegliche Kuscheltiere in unbeschränkten Dimensionen!
Weiter ging es zum „Hard Rock Casino“ von London. Hier wurden wir die Besitzer zweier original Hard Rock T-Shirts und konnten außerdem die heißen Gitarren bestaunen.
Ansonsten ist in der Oxford Street allerdings aufgrund der hohen Preise nur ein Bummel möglich, aber die übergroßen Geschäfte sind auch nur so sehr sehenswert. Wir, die Dorfpomeranzen, sind diese Dimensionen schließlich nicht gewohnt. Besonders toll an London ist außerdem, dass man alle 10 m auf einen Starbucks („die Kette, die alle schönen Kleincafes auslöscht und nur Arbeiter beschäftigt, die sie am Hafen ohne jegliche Englischkenntnisse auftreiben“) stößt. Hier kann man sich gediegen in einem Ohrensessel in die Welt der Karamell, Vanille, Kokos und Nuss Aromen entführen lassen.
Der Höhepunkt unseres Tages wurde allerdings in „Covent Garden“ , etwa zwanzig Minuten vor Treffpunktszeit, erreicht. Nachdem wir Opernsängern zugehört und T-Shirts von Queen, den Rolling Stones, AC/DC und den Sex Pistols in diversen Rockläden bewundert hatten, begegneten wir dem Straßenmusiker Luca Acustico mit seiner Gitarre. Diese Stimme, diese Gitarre, dieser Sound, dieses Lächeln,......Trotz mangelnder Zeit konnten wir es uns nicht nehmen lassen unserem neuen Schwarm zuzuhören. Aerosmith, Damien Rice, Oasis... Er spielte alles, was wir uns nur wünschen konnten. Unter enormen Zeitdruck mussten wir uns doch letztlich verabschieden, kauften noch seine CD und trugen uns in sein Telefonbuch ein. Dann mussten wir uns aber unglaublich beeilen um Herrn Wolf und Herrn Lenz nicht wütend zu machen.
Wir rannten, wenn auch auf Umwegen, zur nächsten U-Bahn. Diese wurde übrigens in London zu unserer unabdingbaren Mobilitätsmöglichkeit. Ohne sie hätten wir es nicht mehr halbwegs pünktlich zum Treffpunkt geschafft und sie ist außerdem eine super Gelegenheit irische oder schottische, heiße oder rothaarige Punkjungs zu treffen! Unterwegs begegneten wir noch dem lustigsten Saxophonisten der Welt (übrigens auch in einer U-Bahnstation) und versuchten außerdem unentwegt eine passende Ausrede für unsere Verspätung zu finden. Letztlich trafen wir fünf Minuten zu spät ein, bekamen jedoch keinen Ärger. Schließlich können Herr Lenz und Herr Wolf sehr gut verstehen, warum man sich in einer so gigantischen Stadt wie London länger aufhält als verabredet!!!
Katja Lauth und Katharina Mohr