Eleonoren-Gymnasium
Worms

Working in England ?
- Why not !

Augenpaare starren gebannt auf uns. Alles ist ruhig im Saal. Das Herz pocht in der Kehle, die Beine zittern. Der ungewohnte Rock unterstützt die Unsicherheit. " Worms is situated near the Rhein River " löst die Spannung im Saal. Der erste Satz ist geschafft.

Es ist Freitag, der letzte Tag unseres Englandaustausches mit der Partner-Stadt Reading. Vier von uns sind auserwählt, Worms und die "Deutschen " bei einem Zusammen-Kommen der gesamten Schule vorzustellen. In Englisch selbstverständlich. Embarrassing ! Aber das ist nur ein kleiner Höhepunkt in einer aufregenden und vollbepackten Woche.

Denn zum ersten Mal in der Geschichte des Eleonoren Gymnasiums konnten wir, die Austausschüler, ein Praktikum im Gastland absolvieren. Zur Auswahl standen viele Plätze in Grundschulen, einem Sportgeschäft, einem Musikladen, einem Hotel und in einer Boutique. Heiß begehrt waren die Grundschulplätze. Die Aussicht 3 Tage mit den kleinen, süßen und niedlichen Rackern zu verbringen, ließ die Mädchenherzen höher schlagen.
Unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Drei Tage lang halfen wir den 4 - 7 Jährigen, Schreiben, Lesen und Rechnen auf spielerische Weise zu erlernen. Dabei war der Ausspruch: "They are soooooo cute" mehr als 100-mal zu hören.


Aber Grundschule in England unterscheidet sich wesentlichvon deutschem Grundschulwesen. Ist man hier schon in den ersten Schul-Jahren - also ab dem 6. Lebensjahr - auf diszipliniertes Verhaltenbedacht, so scheint die englische Lehrmethode eher das Spielerische zu betonen. Zu deutsch: CHAOS!

Überall wuseln einem Kinder um die Beine und plappern ununterbrochen über sämtliche Tische hinweg. Einziges Mittel, sie zu zähmen, ist der erhobene Zeigefinger der Lehrer. Man sollte jedoch hervorheben, dass die englischen Kinder erst 4 Jahre alt sind, wenn sie zu lesen und schreiben beginnen, wodurch der eher freie Erziehungsstil gerechtfertigt ist. Wir sehen hierin einen großen Vorteil gegenüber dem deutschen Schulsystem, denn Kinder lernen schon im Kindergartenalter ohne großen Druck mit Sprache umzugehen.

Das Praktikum generell war für uns alle eine interessante und neue Erfahrung. Denn England konnte so einmal ganz anders erlebt werden - nicht als Tourist mit blitzendem Fotoapparat und an Orten, an denen sich sowieso nur andere Touristen aufhalten, sondern ganz praktisch und realitätsnah am Arbeitsplatz selbst.

Nachdem die Praktikumstage wie im Flug vergangen waren, stand am Donnerstag ein Ausflug nach London auf dem Programm. In Grüppchen aufgeteilt durchforsteten wir die Hauptstadt der Insel. Besichtigt wurde Big Ben, the Buckingham Palace, the Tower Bridge, Covent Garden und noch vieles mehr. Dadurch, dass wir keinen starren Tagesablauf befolgen mussten, sondern uns den Tag nach eigenen Wünschen und Vorlieben einteilen konnten, wurde unser Kurztrip zu einem einmaligen Erlebnis. Es ist schwer, unsere Eindrücke von London in Worte zu fassen, denn London ist eine einmalige Stadt, die man selber erleben muss.

Aber das wirklich Wunderschöne, Unvergessliche und vor allem Einmalige dieses Austauschs, war die unglaublich enge und freundschaftliche Beziehung zwischen Engländern und Deutschen. Wir unternahmen jeden Abend etwas anderes mit einer Gruppe von etwa 25 Leuten und unterhielten uns stundenlang mit allen. Es gab für eine Woche keine Unterschiede zwischen Deutschen und Engländern, selbst die Sprachen vermischten wir. Wenn man etwas mitzuteilen hatte, machte man sich den anderen verständlich, egal wie. Gefühle wie Scham, einen Fehler machen zu können, gab es nicht. Jeder Tag hatte 25 Stunden uns selbst die haben noch nicht einmal ausgereicht.

Wir glauben nicht, dass wir noch einmal so einen wundervollen Austausch erleben werden. Beim Abschied sind Krokodilstränen geflossen. Aber es steht für uns alle fest, dass wir auch außerschulisch weiter in Kontakt bleiben. Eine Hilfe ist uns dabei eine Internetkamera, die uns vom Direktor der Maiden Earlegh School geschenkt wurde.

m Abschluss ein dickes Lob und ein großes Dankeschön an die Lehrer, ohne die all das nicht möglich gewesen wäre. Herrn Michael Wolf und Herrn Fred Lenz. aber auch an Heidi Boreham, die Organisatorin auf englischer Seite.

Wibke Becker und Lena Kunze
MSS 13 (1999)

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